Artikel-Schlagworte: „Lebenslanges Lernen“

In 10 Schritten zur eigenen Persönlichen Lernumgebung

Donnerstag, 22. September 2011

Thomas ist Franzose und lebt in der Nähe von Paris. Er ist 20 Jahre alt und kommt nach Berlin um ein 6monatiges Orientierungspraktikum zu machen. Das ist für französische Verhältnisse eher ungewöhnlich, weil sich die Schulabgänger in der Regel direkt für ein anschließendes Studium oder eine Ausbildung einschreiben. „Man“ verliert keine Zeit.

Der Berlin-Aufenthalt ist für Thomas ideal, weil er sein Deutsch verbessern kann. Praktikumsinhalt: „Die persönliche Lernumgebung“, das eigene Personal Learning Environment (PLE).

Das Konzept einer (digitalen) persönlichen Lernumgebung ist ihm bis dato unbekannt und so betritt er Neuland.

Was gehört alles rein in die eigene PLE? Welche Anforderungen muss sie erfüllen.
Natürlich ist es schon fast ein automatischer Reflex sich an den Computer zu setzen und erst mal zu recherchieren … – Schwupp, ein halber Tag ist weg, unglaublich viel gefunden, viele interessante Links, jede Menge gelesen, …

Auf die Frage, ob er gefunden habe, was er suchte, kommt ein zögerliches: „Na ja, also ich habe gelesen, dass … und eigentlich denke ich, dass …“

In dem nachfolgenden Gespräch wurde klar, das die Strategie „los zu surfen“, Wikipedia zu besuchen und anschließend von Webseite zu Webseite zu springen, Links zu speichern … in der Regel kein zufriedenstellendes und nachvollziehbares Ergebnis bringt.

Nun folgt der Plan:
1) Ziel formulieren
2) Eigene Gedanken festhalten
3) Quellen suchen und beurteilen
4) Informationen aufnehmen, speichern, kommentieren
5) Informationen zusammentragen
etc.

Doch leichter gesagt als getan. Denn auch diese vermeintlich einfachen Schritte setzen voraus, dass man die Methoden und Techniken verinnerlicht hat: Z.B. wie man ein Ziel formuliert? Wie man effektiv im Internet recherchiert? Wie man die Informationsquellen beurteilt? Wie man die Quellen zitiert? Wie man  bibliografiert? Wie man seine Arbeitsergebnisse dokumentiert? …

So, nun sind wir angekommen in der Praxis. Die Reflektion der eigenen Lernmethoden, Lernstrategien und der Lernorganisation erfolgt nun mit dem Ziel, sich eine eigene, praktische und nützliche Lernumgebung einzurichten.

Die entstandene persönliche Lernumgebung hat exemplarischen Charakter und beinhaltet methodische Hilfen zu den Themen:

Wie lerne ich effektiv?

Wie lehre ich effektiv?

Wie formuliert man Ziele?

Wie geht Zeitmanagement?

Wie geht Brainstorming?

Wie gehe ich mit Materialmix um?

Wie bibliografiere ich?

Wie recherchiere ich effektiv?

Wie präsentiere ich?

Wie geht Projektarbeit?

Wie erstelle ich ein Protokoll?

Wie erstelle ich einen Praktikumsbericht?

Wie lerne ich Sprachen?

Wie erstelle ich mein Lerntagebuch?

Wie erstelle ich mein e-Portofolio?

Wie organisiere ich mein Wissen so, dass ich es wiederfinde?

Da das Thema “Persönliche Lernumgebung” nicht nur Schüler und Studenten betrifft, befinden sich im Buch auch 5 Kurzanleitungen: Sie heißen jeweils: “In 10 Schritten zur eigenen persönlichen Lernumgebung für Schüler, … für Studenten, … für Eltern, … für Lehrende und … für Senioren”.

L'Environnement d'Apprentissage Personnel

Das Buch ist in französischer Sprache erschienen:

Detlev Roth, Thomas Werkmeister: L’Environnement d’Apprentissage Personnel. Une nouvelle façon d’organiser son savoir. Books on Demand, Paris. 2011. ISBN: 978-2-8106-1195-9 (amazon)

Lebenslanges Lernen, PLE, Frankreich und Deutschland?

Mittwoch, 21. September 2011

Wir suchten die französische Übersetzung für „Lebenslanges Lernen“ bzw. „Lifelong Learning“, weil wir recherchieren wollten, welche Initiativen die Franzosen auf diesem Gebiet durchführen.
Anscheinend existiert dieser Begriff bzw. diese Idee in Frankreich nicht.

Etwas besser ist die Lage bei der “Persönlichen Lernumgebung” bzw. dem “Personal Learning Environment”. Der Begriff wurde übersetzt mit „L’Environnement d’Apprentissage Personnel“. Hier scheint die Diskussion noch sehr in den Kinderschuhen zu stecken.

Die Auseinandersetzung mit diesen beiden Themen – Lebenslanges Lernen und Persönliche Lernumgebung – sollte mit der Frage beginnen, wer die Verantwortung für die Realisierung der beiden Konzepte übernimmt. Für den Lernenden läuft es letztlich auf die Frage hinaus: Ist meine Rolle dabei passiv oder aktiv?

Wenn ich mich als Lernende/r in der passiven Rolle sehe, dann denke ich, dass der Staat und die Institutionen mich versorgen müssen. Also versorgen mit Weiterbildungsangeboten, Programmen, Projekten, Lernumgebungen und natürlich: Lehrern, Dozenten und Professoren (und später den richtigen Jobs). Ich lasse mich füttern ;-) und gebe die Verantwortung ab „nach oben“.

Wenn ich mich in der aktiven Rolle sehe, dann überlege ich mir, wie ich meine Bildung organisieren kann. Dann tauchen die Fragen auf: Wie lerne ich am besten? Wie organisiere ich mein Wissen so, dass ich es stets verfügbar habe? Was kann ich tun, damit ich meine Anstrengungen, Kompetenzen und Wissen so dokumentiere, dass es mir bei meiner Karriere hilft? Wie überwinde ich institutionelle, fachliche, geographische, sprachliche Barrieren? Wie erstelle ich mir ein internationales e-Portfolio, dass kontinuierlich meine Aktivitäten abbildet?

Von den Franzosen wird gesagt, dass sie sich in Bildungsfragen den Autoritäten einfach unterordnen. D.h. der Lehrer hat immer recht, der Dozent hat immer recht und der Professor auch.
Anscheinend wird diese Rollenaufteilung zwischen Lernenden und Lehrenden nur wenig hinterfragt. (Sollte ich hier fälschlicherweise ein Vorurteil äußern, bitte ich den oder die Leser/in, mir dies mitzuteilen).

So eine Sicht ist für die „kritischen“ Deutschen, wie sie sich selbstbewusst bezeichnen, undenkbar. „Der Lehrer hat immer Recht?“ – Das wird eher automatisch als Witz verstanden. Meines Erachtens ist die kritische Haltung der Deutschen eine Folge der Erziehung nach dem Kriege. Das Ziel in der (auch politischen) Bildung des Bürgers: Kritikfähigkeit – Hinterfrage Autoritäten – Bilde Dir Deine eigene Meinung – und für das Training ist die Schule, die Ausbildung und Universität ein idealer Ort.

Beide Positionen des Lernenden, ob „folgsam“ oder „kritisch“, stellen den Rahmen, in dem die Bildung stattfindet nicht in Frage. Sie gehen beide davon aus, dass die Verantwortung für den eigenen Bildungserfolg bei den Institutionen und den Lehrenden liegt. Damit bleibt die Rolle des Lernenden letztlich immer noch passiv.

Ich denke, der Weg der französischen und der deutschen Lernenden (gleich welchen Alters), hin zu einer persönlich aktiven Rolle hinsichtlich der Organisation des Lebenslangen Lernens und einer funktionsfähigen Persönlichen Lernumgebung ist gleich weit.

An die Arbeit ;-)

Anforderungen an eine Persönliche Lernumgebung (PLE)

Donnerstag, 22. Juli 2010
Lernmanagement- und Kompetenzmanagementsysteme stellen technologische Konzepte für Bildungseinrichtungen und Unternehmen dar, um deren Bedürfnisse zu erfüllen.

Während die LMS und KMS in den letzten Jahren ein jeweils relativ einheitliches Erscheinungsbild sowie Funktionsumfang zeigen, welches eindeutig auf die Bedürfnisse/Anforderungen von Bildungsinstitutionen und Unternehmen abgestimmt ist, verhält es sich bei den Persönlichen Lernumgebungen (PLE) anders.

Hier gibt es derzeit keine Organisation, die die Interessen der Lernenden vertritt und deren Bedürfnisse/Anforderungen formuliert. Lernende nutzen in der Regel – entsprechend ihren Kompetenzen und finanziellen Möglichkeiten – möglichst frei verfügbare digitale Werkzeuge. Die Notwendigkeit für Lernende, sich zu informieren, sich gegenseitig zu unterstützen, untereinander auszutauschen und zusammenzuarbeiten sowie die Weiterentwicklung vom Web 1.0 zum Web 2.0 führt derzeit zu einer starken Nutzung der Social Media Anwendungen – auch im Lernkontext (nicht immer freiwillig, da Lehrende die Nutzung von SMA manchmal auch fordern).

Die Bestandteile einer Persönlichen Lernumgebung sind individuell. Die digitale Persönliche Lernumgebung hat derzeit noch kein einheitliches Erscheinungsbild bzw. -format. Schon bei der Definition heißt es: „Vorsichtshalber offen formulieren!“

Anforderungen

Derzeit wird die PLE und ihr Einsatz noch hauptsächlich im Kontext der Hochschule / Universität diskutiert. Das Bewußtsein für die Notwendigkeit, lebenslang zu lernen bringt die Diskussion in alle gesellschaftlichen Gruppen und braucht Lösungen für alle Altersgruppen.

Versucht man Anforderungen für eine PLE zu formulieren – die der Realität des lebenslangen Lernens gerecht werden können – so sollten diese Folgendes berücksichtigen:

  • Lernende (mit Zugang zu digitalen Werkzeugen) sind zwischen 10 und 100 Jahren
    Daraus folgt: einfache Bedienung des Systems, da keine bzw. nur eine geringe Medienkompetenz vorausgesetzt werden kann; Austauschbarkeit mit Anderen, generationsübergreifend.
  • Lernende besuchen im Laufe ihres Lebens verschiedene Bildungsinstitutionen (oder keine)
    Daraus folgt: Eigene Datenspeicherung und Lernwerkzeuge, die bildungssystemübergreifend immer zur Verfügung stehen.
  • Lernende sind in der Wahl ihrer Interessengebiete frei und unabhängig
    Daraus folgt: Freie Gestaltung der Wissensgebiete
  • Lernende sollten mehr als eine Sprache verstehen und bestensfalls in weiteren Sprachen kommunizieren können
    Daraus folgt: Mehrsprachigkeit der PLE, auch wichtig für den Austausch mit Menschen, die eine andere Sprache sprechen.
  • Lernende wechseln möglicherweise öfters den Standort, das Land, die Sprache
    Daraus folgt: Mehrsprachigkeit
  • Lernende brauchen Zugriff auf ihr eigenes Wissen
    Daraus folgt: Eigenes Wissensmanagementsystem für Kontinuität, Suche, Verknüpfungen und Kontextualisierungen, schnelles und effektives arbeiten, austauschen und präsentieren
  • Lernende brauchen Lernwerkzeuge und -funktionen, die den Lernprozess aktiv unterstützen
    Daraus folgt: Integrierte Hilfen zum Memorieren und Kontextualisieren
  • Lernende brauchen Präsentationswerkzeuge bzw. Veröffentlichungswerkzeuge
    Daraus folgt: Einfacher Gastzugang für ausgewählte Teilbereiche des eigenen Lernstoffes / Wissens. Einfache Präsentation eines E-portfolios. Exporte ins Web (Gastzugang, Blog), als PDF)
  • Lernende brauchen Zugang zu aktuellen Informationen
    Daraus folgt: Veranstaltungshinweise mit Bezug zu den eigenen Interessen, Lern- und Wissensinhalten. Auch in mehreren Sprachen.
  • Lernende brauchen den Austausch mit Anderen
    Daraus folgt: Import- und Exportmöglichkeiten sowie Präsentations- und Veröffentlichungswerkzeuge
  • Lernende können die Rolle wechseln und zum Lehrenden werden
    Daraus folgt: siehe „Lernende brauchen den Austausch mit Anderen“
  • Lernende erhalten Informationen in unterschiedlichsten Formaten
    Daraus folgt: Unterschiedliche Dateiformate müssen sich aufnehmen lassen und soweit wie möglich darstellen lassen
  • Lernende brauchen Datenschutz für ihre persönlichen Daten
    Daraus folgt: Sie entscheiden selber, ob und wenn, wer zu welchen gespeicherten Inhalten Zugang erhält, das betrifft auch externe Serviceanbieter wie Suchmaschinen, die aus diesem Grund nicht zwangsläufig/notwendig Bestandteil einer PLE sein können.
  • Lernende brauchen eine einfache und kostengünstigen Weg, jederzeit an ihre eigene PLE zu kommen
    Daraus folgt: Webbasierte PLE (eigener PC nicht notwendig); niedriger Preis, damit sich alle eine eigene PLE leisten können
  • Lernende haben unterschiedliche persönliche Einschränkungen bei der Arbeit mit einer PLE
    Daraus folgt: Die PLE sollte barrierearm / barrierefrei sein.

Wie kommt ein Lernender zu seiner Persönlichen Lernumgebung?

Dienstag, 6. Juli 2010

Kurze Definition: Die Persönliche Lernumgebung beschreibt, welche digitalen Werkzeuge der Lernende im Lernkontext einsetzt, um sein Lernen selbst zu organisieren und zu optimieren. Der Lernkontext umfasst die persönliche Aufnahme, Verarbeitung und Weitergabe von Informationen.

Wie kommt ein Lernender zu seiner Persönlichen Lernumgebung?

Das Thema “Persönliche Lernumgebung” ist kein reflektions- und beratungsfreier Raum, da jede Äußerung von Respektspersonen gegenüber Lernenden von den Lernenden als Stellungnahme, als Hinweis wahrgenommen wird.

Die Empfehlung, die Entscheidung, die Installation und die Verwendung einer Persönlichen Lernumgebung ist eng verknüpft mit dem Thema Lerntechnik, -methodik und -strategie. Hier werden die Grundlagen für eine effektive Arbeitsweise gelegt (Zeitmanagement, Workflow, Teamarbeit, Projektarbeit, Präsentation, etc.).

Es werden aber auch Weichen für eine effektive Zusammenarbeit und einen effektiven Informationsaustausch gelegt (bildungssystem-, generations- und sprachübergreifend sowie barrierefrei).

Es ist naheliegend, die Persönliche Lernumgebung als zentrale und möglichst umfassende Lösung für die möglichen Lern- und Lehrszenarien zu konzipieren (Materialmix, zentraler Zugriff auf die Materialien, Lernmethodik, Informationsmanagement, Mehrsprachigkeit, Auslandsaufenthalte, etc. …) und dabei den Austausch mit Anderen von vornherein einzuplanen (Datenaustausch, Präsentation, Teamarbeit, Projektarbeit, Veröffentlichungen, Darstellung der eigenen Artefakte als e-Portfolio).

Welche Hilfestellung bekommen “lebenslang” Lernende

Wer hilft den Lernenden bei der Gestaltung  ihrer Persönlichen Lernumgebung?

Wenn man davon ausgeht, das eine “optimale” Persönliche Lernumgebung dem Lernenden die Erreichung der gewünschten Lernziele erleichtert, stellt sich die Frage, wie eine “optimale persönliche Lernumgebung” aussieht.

Im Jahre 2011 sollte man auch fragen: Wie sieht sie für jemanden aus, der “sein Leben lang lernt / lernen soll”?
Nicht zuletzt angesichts der demografischen Entwicklung in wohlhabenden Gesellschaften, thematisieren Staaten und Staatengemeinschaften die Bereitschaft zum Lebenslangen Lernen als Schlüssel für die Wettbewerbsfähigkeit des Einzelnen und den Wohlstand des Landes.

Die Entwicklung von digitalen Werkzeugen wird durch die Staaten mitfinanziert, allerdings gibt es derzeit keine Interessenvertretung der Lernenden – die heterogene Masse der Menschen zwischen 10 und 100 Jahren in den verschiedenen Sprachregionen – um ihre Bedürfnisse zu formulieren und Lösungen dafür zu einzufordern.

Das diese Interessenvertretung wünschenswert wäre zeigt der Blick auf den öffentlichen – genauer gesagt universitären – Diskurs zum Thema “Persönliche Lernumgebung”. Es scheint so, als wäre es die Angelegenheit von Studenten, Dozenten und Professoren, zu definieren, was eine “Persönliche Lernumgebung” sei. Die 12jährige Schülerin, der 40jährige Vater seines 15jährigen Sohnes, der 62jährige Frührentner oder die 88jährige vitale Seniorin – diese Personen werden nicht berücksichtigt.

So lässt sich erklären, dass Toolsammlungen/Collagen als Persönliche Lernumgebungen definiert werden können – unbeachtet der Tatsache, dass nur ein geringer Teil der Bevölkerung in der Lage ist, die Bausteine einer solchen “Collage” zu verstehen, zu benutzen, zu bewerten, deren Entwicklung zu verfolgen, sich mit den Lizenzbedingungen auseinanderzusetzen und deren Relevanz für den eigenen Lernerfolg einzuschätzen.

Beratung für Lernende

Wer berät – oder besser gefragt – wer sollte Lernende hinsichtlich der Persönlichen Lernumgebung beraten?

  • Ist es ein Thema für die Einführungsveranstaltungen im Studium? (Was ist mit den Studenten, die bereits mitten im Studium sind?)
  • Ist es ein Thema für die Lehrenden?
  • Ist es ein Thema für übergeordnete Instanzen? (ASTEN, KMK im Schulbereich, Bildungsministerium, EU Programm für Lebenslanges Lernen, … etc?)

Es wäre auch denkbar, dass sich die Lehrenden nicht in Verantwortung sehen, Empfehlungen zu geben, da es ja um eine “Persönliche” Lernumgebung handelt. Angesichts der Bedeutung von Lerntechnik, -methodik und -strategie für den Lernerfolg wäre eine solche Haltung jedoch nur schwer hinnehmbar. Wenn Lehrende still sind, dann werden marktwirtschaftliche Mechanismen dominieren und die Lernumgebung versuchen zu definieren (man denke dabei an die aufwändigen Werbemassnahmen für Hard- und Softwareprodukte).

Ist das Konzept, eine Persönliche Lernumgebung als erweiterbare Toolsammlung zu definieren, gleichbedeutend mit einer “Freiheit” des Lernenden?

Vielleicht hilft hier der Hinweis auf die Anstrengungen, die die Hochschulen zur “Hochschulübergreifenden Zusammenarbeit” unternehmen, um vor Augen zu führen, dass die Freiheit der Wahl der Lernmanagementsysteme im direkten Verhältnis zu den Schwierigkeiten der Zusammenarbeit stehen. Barrieren, Inkompatibilitäten und fehlende Standards behindern die Kommunikation und Zusammenarbeit.

Übertragen auf das Thema Persönliche Lernumgebung heißt dies: Es ist wichtig ein klares Anforderungsprofil für eine Persönliche Lernumgebung zu formulieren, damit wir aus den Erfahrungen der letzten Jahre lernen und wir eine zukunftsfähige Lösung entwickeln, die den Anforderungen des Lernenden in allen Etappen des Lebenslangen Lernens genügt.

Die Persönliche Lernumgebung – eine emanzipatorische Weichenstellung?

Dienstag, 22. Juni 2010

Zusammenfassung: Die Beurteilung und Einrichtung einer technischen Umgebung zum Lernen und Lehren erfordert viele Kompetenzen. Bildungsinstitutionen stellen Lernumgebungen zur Verfügung. Lebenslang Lernende haben eigene Anforderungen an eine Persönliche Lernumgebung. Eine innovative Persönliche Lernumgebung kann umwälzende Bedeutung für die Forschung, das Lehren und das Lernen erlangen.

Der Computer (oder sollte ich lieber von internetfähigen Endgeräten sprechen?) und die Programme – ob offline oder online – stellen technische Umgebungen für Lernende und Lehrende bereit.

Diejenigen, die diese technische Umgebung (also die Computer und Programme) nutzen möchten, benötigen dafür Anleitungen.

Wenn diese technische Umgebung als Hilfsmittel für die eigene Arbeit eingesetzt werden soll, wird es Ernst. Möglichst effektiv sollen nun Ziele erreicht werden. Damit das gelingt muss ich im Vorfeld viele Entscheidungen treffen (die wiederum Vorwissen und Erfahrungen voraussetzen).

  • Welches Betriebssystem wird für die technische Umgebung eingesetzt?
  • Welche Programme? Wo bekommt man diese Programme? Was kosten sie?
  • Funktionieren diese Programme mit meinem Computer, mit meinem Betriebssystem?
  • Nutze ich das Internet? Wofür? Nutze ich Internetservices? Was kostet etwas? Was ist umsonst – und warum? Was ist open source?
  • Wieviel Zeit benötige ich, um mich in dieses und jenes Programm einzuarbeiten – wieviele Probleme erwarten mich dabei und kann ich sie (ohne Hilfe) lösen?
  • Kann ich die Ergebnisse meiner Arbeit mit den Programmen so nutzen, wie ich es erwarte? (Datenaustausch mit anderen, Präsentationsmöglichkeit – also kann ich meine Daten in der Form präsentieren, die ich benötige und können andere meine Präsentation sehen, bzw. benutzen?)

Die Wahl der technischen Umgebung, die Auswahl der Programme und die Einarbeitung – wenn es um deren Einsatz zur persönlichen Zielerreichung geht – stellen Weichen für den persönlichen Erfolg.

Wenn Organisationen den Beteiligten Ziele vorgeben – eine Schule z.B. oder eine Universität – dann scheint es – angesichts der oben beschriebenen Fragestellungen – eine gute Lösung zu sein, wenn sie auch die entsprechende technische Umgebung definiert und bereit stellt. Heraus kommt – im Falle der Bildungseinrichtung – eine “Lehr- und Lernumgebung”. Diese Umgebung ist so konzipiert, dass die Ziele der Organisation bestmöglich erreicht werden können.

Aus der Perspektive des Lernenden – als jemandem der im Prozess des Lebenslangen Lernens mit unterschiedlichen Bildungsorganisationen in Kontakt kommt – sind die Ziele einer einzelnen Bildungsorganisation von untergeordneter Bedeutung. Genau genommen sollte der Lernende sogar überprüfen, ob und in wie fern die “Lehr- und Lernumgebung” der Bildungsinstitution seine eigenen Ziele fördert bzw. behindert.

Da die “Lehr- und Lernumgebung” der Bildungseinrichtung in mehreren Punkten für den Lernenden unbefriedigend ist (zeitlich beschränkter Zugriff, eingeschränktes Mitspracherecht, Gefühl beobachtet bzw. kontrolliert zu werden, keine Erlaubnis Anderen Zugang zu gewähren, keine Privatsphäre, keinen wirklich persönlichen “Raum” um alle Information hochzuladen, wenig Veranstaltungsinformationen über Ereignisse, die nicht im direkten Zusammenhang mit der Bildungseinrichtung stehen, kein eigenes Wissensmanagementsystem, etc.) stellen sich weiterhin die eingangs erwähnten grundsätzlichen Fragen.

Anforderungen an eine Persönliche Lernumgebung

Die Anforderungen an eine Persönliche Lernumgebung listen Graham Atwell et al. (1) ansatzweise auf:

  1. Informationssuche
  2. Sammeln und Strukturieren
  3. Bearbeiten
  4. Analyse
  5. Reflexion
  6. Präsentieren
  7. Repräsentieren
  8. Teilen
  9. Networking

Ich halte es für wichtig, auf folgende Aspekte zu achten:

  • Einfaches Handling
  • Individualisierung
  • Verfügbarkeit sicherstellen
  • Lernunterstützung (z.B. eingebaute Lernkartei)
  • Kontexthilfen (z.B. Zeitstrahl)
  • Mehrsprachigkeit
  • Generationsübergreifender Ansatz
  • Hinweis auf aktuelle Veranstaltungen zu den Lerninhalten

Lösungsansätze für die Persönliche Lernumgebung

Bei der Suche nach Hilfestellung – z.B. bei den Ergebnissen der Suchmaschinen zum Thema “Persönliche Lernumgebung” oder PLE (Personal Learning Environment) – werden Persönliche Lernumgebungen als a) Toolsammlungen oder b) eigenständige Software vorgestellt bzw. diskutiert.

a) Die Persönliche Lernumgebung als Toolsammlung

Die Diskussion findet derzeit vor allem im universitären Kontext statt. Es werden Programme zusammengestellt, die Professoren und Studenten bei der Lehre und dem Lernen unterstützen sollen (vor allem Social Software und Webservices).

Zwischenbemerkung: An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, das die Persönliche Lernumgebung nicht nur ein Thema für “Wissenschaftler” ist, sondern ein Thema für alle Lernenden und Lehrenden. D.h., das Thema ist bereits für einen 10jährigen Schüler wichtig, genauso für die geistig fitte 90jährige, ganz zu schweigen vom 40jährigen Vater oder der 60jährigen Weltenbummlerin. (Vielleicht sei an dieser Stelle einmal darauf hingewiesen, dass es in Deutschland keine Interessenvertretung der Lernenden gibt, die sich bildungssystemübergreifend und intergenerationell um optimale Bedingungen für das Lebenslange Lernen engagiert.)

Zurück zur Toolsammlung. Die Toolsammlung ist – angesichts der eingangs erwähnten Fragen, die ich mir zu meiner technischen Umgebung und den Programmen stellen muss – und meiner persönlichen Ziele als lebenslang Lernender – keine überzeugende Lösung.

Sie überzeugt auch deswegen nicht, weil sie nicht für alle einsetzbar ist. Wie soll sich das 11jährige Mädchen eine solche Toolsammlung zusammenstellen und mit dieser Toolsammlung sinnvoll lernen? – Oder mein 90jähriger Schwiegervater in Frankreich?

Nachteile einer Persönlichen Lernumgebung als “collagenartige” Toolsammlung:

  • Sie setzt Kenntnis der verschiedenen Tools voraus, die für die Persönliche Lernumgebung interessant sein könnten
  • Sie setzt eine Umgebung (Computer oder Online-Webspace) voraus, auf der die Tools installiert werden können
  • Sie setzt ggf. ausreichend finanzielle Mittel voraus (Computer, Programme)
  • Sie verlangt die Zustimmung zu den Lizenzbedingungen der verschiedenen gewählten Services / Anwendungen. Da Lizenzbedingungen sich jederzeit ändern können, ist eine Beobachtung notwendig.
  • Sie stellt eine nicht einheitliche Materialsammlung / Programmsammlung dar. D.h. es ist – im negativen Sinne – eine Erweiterung des Materialmixes mit den entsprechenden Problemsstellungen: Kompatibilität der Programme und Formate, keine Umgebung, die alle Informationen einheitlich strukturiert und z.B. über eine Suchfunktion zugänglich macht bzw. verbindet. Keine Lernfunktionalität. Keine verständnisfördernde Funktionalität. Keine Präsentationsfunktionalität. Keine Unterstützung der Mehrsprachigkeit. Keine Lerntagebuchfunktionalität. Keine ePortfolio-Funktionalität. Keine intergenerationelle Kommunikationsplattform – da die Anwendungen individuell zusammengestellt werden und die Kommunikation mit anderen nur stattfindet, wenn diese die gleichen Services / Anwendungen nutzen.
  • Sie stellt für den Lernenden eine zusätzliche Belastung dar, der sich nicht nur wie bisher mit unterschiedlichen Datei-Formaten auseinandersetzen muss (um diese zu beherrschen), sondern nun auch die sinnvolle Nutzung der Services erlernen und reflektieren muss.

b) Die Persönliche Lernumgebung als eigenständige Software

LERNWEG (lernweg.de) ist ein Beispiel für eine eigenständige Software, eine Persönliche Lernumgebung. Hier eine Liste von Funktionen, die den Lernenden (und Lehrenden) unterstützen:

  • Persönliches Informations-, Lern- und Wissensmanagementsystem
  • Frei definierbare Wissensgebiete
  • Erlaubt Speicherung verschiedener Datenformate (Materialmix)
  • Erlaubt die verständnisfördernde Kontextualisierung von Informationen (z.B. durch Zeitstrahl)
  • Erlaubt das Memorieren durch eine integrierte automatische Lernkartei
  • Ist mehrsprachig (de, fr, en – restliche EU Sprachen folgen)
  • Suchfunktion
  • Eignet sich für Präsentationen (PDF, Blog, Gastzugang)
  • Ist barrierefrei (BITV*)
  • Zeigt auf Wunsch Veranstaltungen (potentiell auch Dissertationen) zu den eigenen Lerninhalten an (ortsabhängig)
  • Ist als Lerntagebuch und e-Portfolio einsetzbar
  • Eignet sich gleichzeitig für die Lehre
  • Eignet sich für die intergenerationelle Kommunikation

Welchem Lösungsansatz folgen? Die Entscheidung stellt wiederum Weichen.

Mit der Entscheidung für eine Persönliche Lernumgebung als eigenständiger Software vollzieht der Lernende eine emanzipatorische Weichenstellung

  • er verlässt den “Gaststatus”
    (Gast einer Bildungsinstitution für die Zeit seiner Einschreibung, Gast eines Internetservices …)
  • sie fördert seine Selbständigkeit
  • sie fördert seine Unabhängigkeit
  • sie bringt ihn auf gleiche Augenhöhe mit Lehrenden, weil er sie als leistungsfähiges Instrument für die Lehre einsetzen kann
  • er schafft persönliche Voraussetzung für eine intergenerationelle Kommunikation
  • er schafft persönliche Voraussetzung für eine mehrsprachige Kommunikation
  • erlaubt den (internationalen) Austausch von Informationen, eine Zusammenarbeit und eine übergreifende Projektarbeit

Betrachtet man z.B. das Programm LERNWEG als ein Modell einer Persönlichen Lernumgebung – welche Bedürfnisse des Lernenden in den Mittelpunkt rückt, dann wird vorstellbar, dass der Persönlichen Lernumgebung in Zukunft möglicherweise eine umwälzende Bedeutung im Bereich Forschen, Lehren und Lernen zu kommen könnte. Mit so einer Persönlichen Lernumgebung können sowohl Lernende wie Lehrende Motor einer barrierefreien, bildungssystem-, generations- und sprachübergreifenden Zusammenarbeit sein.

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(1) Graham Attwell, Jenny Bimrose, Allan Brown, Sally Anne-Barnes: Maturing learning: Mash up Personal Learning Environments.. In: Fridolin Wild, Marco Kalz, Matthias Palmér (Hrsg.): Proceedings of the First International Workshop on Mashup Personal Learning Environments (MUPPLE08) Maastricht.. Vol. 388, 2008. (Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Personal_Learning_Environment)

(2) Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz (Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung — BITV)

Das Wissen der Welt ist verfügbar, mein eigenes Wissen leider nicht. Was tun?

Mittwoch, 26. Mai 2010

Online-Enzyklopädien liefern mir in Sekundenschnelle Antworten auf meine Fragen.  Wenn ich aber wissen möchte, was ich vor 2 Monaten gelesen habe, was mich letztes Jahr im März beschäftigt hat, oder was ich im November 2005 gelernt habe, dann stelle ich fest, dass mein Erinnerungsvermögen überfordert ist.

Selbst, wenn ich mich – schlagwortartig – erinnere, fehlen mir die Detailinformationen. Und die Suche beginnt.

Ich glaube, es ist leicht, die Situation zu ändern. Es ist leicht, mir wesentlich mehr zu merken, ohne großen Aufwand zu betreiben, wenn ich mir vergegenwärtige, wie ich mit Informationen, dem Materialmix, dem Spezialwissen und den Brüchen umgehe.

A) Informationen: Natürlich weiß ich, dass es leicht ist, sich Informationen zu merken, wenn ich sie nur oft genug wiederhole.

Im Alltag bin ich einem stetigen Informationsfluss ausgesetzt. Teilweise ist es meine eigene Schuld, wenn ich von einer Information zu nächsten springe, teilweise liegt es daran, dass meine Umgebung versucht meine Aufmerksamkeit zu erhalten. Es liegt bei mir zu entscheiden, welche Information “Nachrichtencharakter” hat (also für mich morgen wahrscheinlich schon nicht mehr interessant ist) und welche Information es verdient, erinnert zu werden.

Jetzt brauche ich nur noch ein Werkzeug, dass mir hilft mit wenig Aufwand interessante Informationen – mit der geringstmöglichen Anzahl von Wiederholungen – ins Langzeitgedächtnis zu bekommen.

B) Materialmix: Die Informationen, die ich aufnehme, werden entweder von jemandem vorgetragen, werden an die Tafel oder das Flipchart geschrieben, ich erhalte eine Fotokopie, eine CD, ein Bild, ein Buch, eine Textdatei, eine Sprachdatei, ein Video, eine Bildschirmpräsentation, einen Link etc. Mit anderen Worten: die Information kommt auf den unterschiedlichsten Formaten daher. Und die Form, die ich wähle, um die Information festzuhalten, erweitert das Sammelsurium an Materialien noch einmal (Notizbuch, Notebook, Karteikarten, Ordner etc.)

So einen “Materialmix” kann man für gut oder schlecht halten (ich bin da geteilter Meinung) – auf jeden Fall gibt es ein Problem: Wenn ich eine Information in dem Materialmix suche und finden möchte, dann kann ich nicht einfach ein Suchwort eingeben. Ich müsste meinen Computer durchsuchen, meine Schubladen, meine Bibliothek, die schriftlichen Notizen, meine Aktenordner etc. bis ich vielleicht die eine oder andere Information hoffentlich wiederfinde (Natürlich müsste ich auch an den Orten sein, wo die Informationen liegen – zu hause, in der Uni, bei meiner Freundin).

Also, hier wäre ein Werkzeug nicht schlecht, wo ich die wichtigen Informationen aus unterschiedlichen Quellen in einer “durchsuchbaren” Oberfläche sammle.

Damit hätte ich auch gleich eine gute Grundlage fürs Wiederholen (siehe A).

C) Spezialwissen: Nach dem Ende der Grundschule übernehmen die Fachlehrer die Ausbildung in der Schule, die Dozenten und Professoren in der Uni, die Spezialisten in den einzelnen Berufen. Die Informationen, die ich recherchiere, sind in der Regel auch von Spezialisten geschrieben.

Ist es einerseits wunderbar, dass ich von Fachleuten Fachinformationen erhalte, um wirklich in die Tiefe des Wissensgebietes vorzudringen, ist es andererseits nun an mir, die Zusammenhänge zwischen den Wissensgebieten wieder herzustellen. Wenn mir das gelingt – begleitet von vielen AHA-Effekten – dann finde ich öfters eine Antwort auf die bohrende Frage: Warum ist etwas da? Warum hat sie damals das entdeckt? Wieso wurde zur Zeit Darwins so gemalt, musiziert, gebaut? Dieses Verständnis, das ich durch das Kontextualisieren von isolierten Fachinformationen bilden kann, unterstützt ebenfalls meine Fähigkeit, mir Informationen zu merken.

Auch hier wäre ein Werkzeug nicht schlecht, was mich bei der Kontextualisierung unterstützt.

D) Brüche: Als ich mit der Schule fertig war, habe ich alles in einen großen Karton gepackt, verschnürt und in den Keller gebracht. Ich war sehr froh, dass ich die Schule hinter mir hatte und wollte “nichts mehr davon wissen”.

So war es auch mit dem Studium. So war es auch mit meiner Weiterbildung.

Das meine ich, wenn ich von Brüchen spreche. In den ganzen Jahren meiner verschiedenen Ausbildungen, war ich immer wieder mit Begeisterung dabei, Interessantes zu lernen. Natürlich auch für die Prüfungen. Und – wo ist es jetzt? Wenn mich jetzt jemand fragt, was ich über Böll, Goethe, Schumann, Napoleon, Thermodynamik etc. weiß, dann – ist es nicht mehr da.

Hätte ich doch nur von Anfang an, also von der Schule über die Uni … ein vernünftiges durchgängiges System genutzt, dann hätte ich heute eine persönliche Enzyklopädie vor mir. Und da sie aus meinen gesammelten Lernerfahrungen und Aufzeichnungen bestehen würde, wäre ich glücklich, darauf zugreifen zu können und sie nach Wunsch auch mit anderen teilen zu können.

Fazit: Mit LERNWEG habe ich so ein Werkzeug schließlich gebaut. Ich hoffe, es kann Dich auch unterstützen.

Studenten und das Thema Lebenslanges Lernen

Freitag, 21. Mai 2010

Als Lernender muss ich heutzutage selbstverantwortlich meinen Lernweg organisieren. Da ich im Laufe meines Lebens verschiedene Institutionen (Schule, Hochschule, Universität, Berufsbildungszentren, Fort- und Weiterbildungsakademien etc.) – möglicherweise in verschiedenen Ländern – besuche, um meine Bildung zu erlangen, stehe ich vor der Frage:

  1. Wie und wo speichere ich die Lerninhalte, damit ich dauerhaft darauf zugreifen kann? (Materialmix)
  2. Wie kann ich mir wichtige Inhalte dauerhaft merken?
  3. Wie kann ich mit anderen zusammenarbeiten (Team- und Projektarbeit, auch länderübergreifend)?
  4. Wie kann ich meine Inhalte präsentieren (Referate, Seminare …)? Oder gar veröffentlichen?
  5. Wie kann die Ergebnisse von meinen Recherchen festhalten (Quellen; Links; Inhalte von Seiten, die morgen vielleicht nicht mehr da sind; sie kommentieren; sie mit Lernfragen versehen?)
  6. Wie kann ich einen strukturierten Überblick über mein Wissen erlangen (und meine Lücken)?
  7. Wie kann ich mit einem Suchwort in meinem gesamten Wissen suchen?
  8. Wie kann ich Lerninhalte, die mir in der Regel fachspezifisch von Spezialisten vermittelt werden, in ihren zeitlichen und kulturellen Kontext darstellen, um sie (besser) zu verstehen?
  9. Wie kann ich dafür sorgen, dass ich von Veranstaltungen in meiner Umgebung erfahre, die für meine Lerninhalte wichtig sein können?
  10. Wie kann ich dafür sorgen, dass ich von Dissertationen in meiner Umgebung erfahre, die für meine Lerninhalte wichtig sein können?
  11. Wie kann ich Lerninhalte, die in verschiedenen Sprachen vorhanden sind, miteinander verbinden?
  12. Wie kann ich mich termingerecht auf Prüfungen vorbereiten?

Für mich, wie für alle Lernenden (ob Studenten, Schüler, Berufstätige, Senioren) ist die Organisation des Lernens eine alltägliche Herausforderung und gute – praktische und nachhaltige – Lösungen stellen für mich ein Must-Have dar.

An der Stelle beteilige ich mich an der Diskussion um die aktuellen Themen zum Lebenslangen Lernen: Personal Learning Environment, E-Portfolio, Web 2.0, Einsatz von Lernplattformen, persönliche Lernumgebung, Lerntagebuch, Lernmanagement (LMS) und Wissensmanagement.

Ich beginne – als Lernender – meine Interessen wahrzunehmen, meine Perspektive in den Vordergrund zu stellen – und mit Anderen darüber zu sprechen, wie sie es machen. Wie organisieren denn die Anderen (nicht nur ihr Studium,  sondern auch) ihr Lebenslanges Lernen? Wie organisieren meine Dozenten, meine Professoren ihr Lernen? Sitzen wir nicht letztlich alle im gleichen Boot? Also, haben wir nicht die gleichen Fragen? Können wir nicht gemeinsam etwas machen und uns gegenseitig unterstützen?

Herr Koch, Frau Schavan, Frau Merkel und ich…

Montag, 17. Mai 2010

Man kann sich die Bildungsdiskussion in Deutschland ansehen oder aber auch die EU als Ganzes betrachten. Die Finanzkrise hat ein langes Nachspiel. Die lang anhaltende Diskussion um die Hilfen für Griechenland, die Schwächen der anderen EU-Länder – die Stärke der europäischen Währung steht mehr und mehr auf dem Prüfstand. Fragen und Forderungen nach Kürzungen im Bildungsbereich von Hessens Ministerpräsident Roland Koch treffen den Nerv von Bundesbildungsministerin Annette Schavan. Einsparungen bei der Bildung sind aus vielen Gründen nicht hinnehmbar. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel bezieht Stellung für die Bedeutung der Bildung und Bildungsausgaben in Deutschland.

Der Ausgang der Diskussion ist ungewiss, wie vieles andere in dieser ökonomisch äußerst angespannten Zeit.

Ich denke, es ist wichtig – wenn es um das Thema Bildung geht – das Ziel im Auge zu behalten und zu schauen, welche Handlungsmöglichkeiten es gibt.

Wie heißt das Ziel für mich als Lernenden?

Wir wissen inzwischen alle, dass es bei Zielformulierungen darauf ankommt, diese aktiv, konkret und überprüfbar zu formulieren. Nur dann spüre ich eine Motivation zum Handeln, nur dann bildet sich die Vorstellung davon, was ich, wann und wie unternehmen muss und der sportliche Anreiz, das Ziel mit Bravour zu erreichen.

Mein Ziel heißt

Ich möchte mich bilden, um zu verstehen, was bis jetzt in den verschiedensten Wissensgebieten in verschiedensten Ländern passiert ist. Ich möchte Fähigkeiten und Fertigkeiten erlernen und trainieren, um die geistigen, handwerklichen und körperlichen Herausforderungen in der Gegenwart und Zukunft gut zu meistern. Europa ist mein Bewegungsraum und ich erlerne mindestens 2 weitere Sprachen und trainiere mich in der fremdsprachlichen Kommunikation. Und mit diesen Fähigkeiten und Fertigkeiten möchte ich meinen Beitrag für eine gut funktionierende Gesellschaft leisten, indem ich mir eine Arbeit bzw. Aufgabe suche, wo ich aktiv zum Wohle aller etwas bewirken kann.

Und für die Zielerreichung bin vor allem ich wichtig. Es liegt in meiner Verantwortung, das Ziel zu erreichen.

Natürlich sind die politischen Diskussionen wichtig, natürlich ist es wichtig, dass ausreichend Mittel für die Bildung bereitstehen, natürlich ist es wichtig, dass die Bedingungen der Lehre und des Lernens möglichst optimal sind.

Ich kümmere mich darum, effizient zu lernen, mein Wissen aufzubauen, Zusammenhänge zu verstehen, jederzeit und von überall auf meine Lernmaterialien und mein Wissen zuzugreifen. Meinen Wissensaustausch selbst zu managen. Und dabei achte ich auf eine gesunde Autonomie.

Und Du: Wie würdest Du Dein Ziel formulieren?

Projektarbeit konkret – Teil 2 von 2…

Sonntag, 16. Mai 2010

Teil 1 – von Projektarbeit konkret – findest Du hier.

Das Format der Ergebnisse

Wenn Du als Projektleiter die Ergebnisse einsammelst und aufbereitest geht es auch um die Frage des Formats. Einerseits geht es um eine sehenswerte, visuelle Präsentation – andererseits um die Wiederverwendbarkeit (auch im Sinne der Weiterbearbeitung) des Materials. Das Programm LERNWEG legt auf beides großen Wert und liefert dafür die notwendigen Funktionen und das modulare Konzept.

Du sammelst und speicherst Du die Beiträge, die Ergebnisse in LERNWEG in Form von Einträgen. Die Einträge sind im wesentlichen kleine Bausteine: Texte mit einer Überschrift, vielleicht einigen Absätzen, ggf. Quellangaben und visuellem Material. Diese Bausteine – man könnte auch von Modulen sprechen – sind für die Präsentation und auch später für andere Zwecke kombinierbar. In LERNWEG kannst Du sie als PDFs ausgeben, im Zeitstrahl anordnen, per Gastzugang als Webansicht präsentieren, als Blogbeiträge senden oder Anderen zum Importieren vorbereiten.

Die Projektpräsentationsvorbereitung

Wenn Du für das Projekt keinen eigenen LERNWEG anlegst, dann kannst Du in Deinem LERNWEG die Filter-Ansicht so einstellen, dass sie nur die Projektdaten zeigt. Das ist auch für die Tabellenansicht in LERNWEG gut, weil sie nun sehr übersichtlich quasi das Inhaltsverzeichnis des Projektes anzeigt.

Vielleicht möchtest Du das Projekt auch komplett ausgedruckt durchgehen. Nutze dafür die Folienfunktion: PDF erstellen. Jetzt erstellt das Programm automatisch ein PDF mit allen Projektbeiträgen, die Du der Folie zugeordnet hast. Egal, ob es sich um 10seitiges oder 138seitiges PDF-Dokument handelt. Der Vorgang dauert wahrscheinlich nicht länger als 20 Sekunden.

So ein PDF ist auch als Unterlage zum Aushändigen an die Seminarteilnehmer schnell erstellt. Vor allem – wenn sich mal Daten ändern – entfallen die aufwendigen Neuformatierungen, – Du brauchst ja nur auf den Button PDF erstellen zu klicken.

Die Projektpräsentation

Die einzelnen Seiten können sich sehen lassen. Das Programm LERNWEG sorgt für eine aufgeräumte, übersichtliche Darstellung der Inhalte. Die Fähigkeit verschiedene Datei(formate) zu integrieren erlaubt auch das Abspielen von Tondokumenten und den Aufruf von Videos. Der Zeitstrahl ist ein Highlight der Präsentation. Er visualisiert die historischen Zusammenhänge der einzelnen Inhalte, auf Wunsch auch mit Bildern.

Es ist ein großer sozialer Fortschritt darauf zu achten, dass die Präsentation, barrierefrei vorgeführt wird bzw. abrufbar ist (inzwischen wird konsequenterweise von “barrierearm” gesprochen). LERNWEG wurde barrierefrei bzw. barrierearm programmiert. So sorgst Du, wenn Du LERNWEG als Präsentationsprogramm wählst, für eine faire Präsentation. Bedenke hierbei, dass die Zielgruppe Deiner bzw. eurer Präsentation möglicherweise viel größer ist, als die Seminargruppe, der ihr das Projekt vorstellt. Evtl. wird das Projekt auch von deutlich älteren Menschen, oder von Anderssprachigen in anderen Ländern interessiert wahrgenommen.

Das meine ich mit auch damit, wenn ich von Nachhaltigkeit und der Zukunft des Projektes (siehe weiter unten) spreche.

(Noch eine Anmerkung zur Barrierefreiheit: Vielleicht macht ihr euch auch das Vergnügen und sprecht die Beiträge eures Projektes auf Mikro und speichert die MP3-Dateien mit den Beiträgen ab. So was hat u.a. zur Folge, dass euer Projekt für fremdsprachigen Unterricht oder fremdsprachige Seminare interessant wird.)

Es gibt noch einen weiteren Aspekt: den freien Zugang zur Information bzw. zum Projekt (wenn Du bzw. ihr das Projekt veröffentlicht). Mit LERNWEG wählt ihr eine Oberfläche, die jeder nutzen kann, der das Gastpasswort hat und eine Browser benutzen kann. Es ist nicht nötig, dass irgendjemand sich dafür ein teueres Programm kaufen muss – oder an Eurer Uni oder Hochschule eingeschrieben sein muss (um Zugang zur universitätseigenen oder hochschuleigenen Lernplattform zu haben). Auch das heißt: Barrierefreiheit!

Die Projektdokumentation

Zur Projektdokumentation gehören die Hintergrundinformationen, z.B. wer sich an dem Projekt mit welchen Beiträgen beteiligt hat, in welchen Zeiträumen gearbeitet wurde und vielleicht auch einige Informationen zur Methodik. LERNWEG selber bietet mit dem Zeitstrahl nach Bearbeitungsdatum eine übersichtliche Zeitleiste zur Vergegenwärtigung des Arbeitsprozesses und dem Projektablauf. Die Möglichkeit, aus LERNWEG heraus, jederzeit Blogbeiträge aus den Inhalten des Projektes zu erzeugen, kann für das eine oder andere Projekt auch eine geeignete Form der Dokumentation sein.

Die Projektveröffentlichung

Wenn ihr mit LERNWEG das Projekt als Web veröffentlicht und den Leuten über ein Passwort den Gastzugang ermöglicht, seid ihr im Internet sichtbar. Und das wird – das hoffen dann alle Beiteiligten – viel Resonanz erzeugen, möglicherweise sogar Wellen schlagen, zitiert, kommentiert, diskutiert …

Hier möchte ich Dich nochmal auf den Blog als Möglichkeit zur Kommunikation hinweisen. Ein Blog eignet sich hervorragend, um auf das eigene Projekt national oder auch international aufmerksam zu machen – und den Diskurs zu moderieren. Das muss nicht die Rolle der Projektleitung sein, sondern kann auch von einem Teilnehmer des Projektes übernommen werden. LERNWEG ermöglicht die automatische Veröffentlichung in einem frei wählbaren WordPress Blog.

Das Feedback

Ob während der Veranstaltung oder des Seminars oder einfach später: Das Feedback gibt Aufschluss darüber, wie die Arbeit verstanden wurde. Ob das, was kommuniziert werden sollte, auch “rüber gekommen” ist. Wie haben es die Interessierten aufgenommen, was denken sie, was kommentieren sie, was kritisieren sie. Diese Phase ist wirklich sehr spannend und sollte als Bestandteil des Projektes integriert werden.

Und nun ist es wieder ein Vorteil, dass die Projektinformationen in modularer Weise vorliegen, als Bausteine (s.o. Projektpräsentationsvorbereitung) – denn nun kannst Du bzw. ihr eurer Projekt um das Feedback erweitern, indem ihr die Feedbackbeiträge aufnehmt und damit dokumentiert und mit Einverständnis der Feedbackgeber auch wieder veröffentlicht. Es macht bestimmt auch den einen oder anderen Projektteilnehmer stolz, wenn hierbei auch fremdsprachige Feedbacks zitiert und diskutiert werden. A propros, Eure Uni oder Hochschule hat sicherlich eine oder mehrere Partneruniversitäten oder Partnerhochschulen im eigenen Lande oder in anderen Ländern. Seid aktiv und informiert diese über euer Projekt. Vielleicht wächst das Projekt zu einem internationalen Projekt.

Die mögliche Zukunft des Projektes

Die Wahl der geeigneten Projektsoftware, der Projektoberfläche, der geeigneten Präsentationsform; eine Entscheidung für die Barrierefreiheit, eine Entscheidung für einen mehrsprachigen Zugang, eine öffentliche Begleitung durch einen Blog; eine Intergration des Feedbacks – zu all diesen Punkten hast Du weiter oben hoffentlich nützliche Hinweise und Tipps gefunden – entscheiden mit über die Zukunft Deines bzw. eures Projektes. Und wenn Du Dir jetzt diese ganzen Aspekte vergegenwärtigt hast, dann blickst Du möglicherweise mit Aufregung auf die nächste Gelegenheit, ein Projekt durchzuführen und zum Erfolg zu bringen. Vielleicht auch: ein schon durchgeführtes Projekt in LERNWEG einzupflegen und barrierefrei bzw. barrierearm zu veröffentlichen.

Verstehen

Mittwoch, 21. April 2010

Ich fange mal anders herum an: Was begünstigt das Nicht-Verstehen? Wann verstehe ich etwas nicht?

Es fällt mir besonders schwer etwas zu verstehen, wenn es aus dem Zusammenhang gerissen ist. Wenn es als isolierter Gedanke formuliert, als isoliertes Ereignis beschrieben oder es überraschend “einfach da ist”.

Vielleicht hast Du auch schon mal vor einem architektonischen Bauwerk gestanden – oder ein Musikstück gehört – oder ein Kunstwerk betrachtet – und Du hast Dich gefragt: Warum ist das da? Warum ist es hier? Warum ist es so und nicht anders? Ist es einfach so vom Himmel gefallen?

Oder eine Erfindung? Oder eine Erkenntnis? – … einfach so vom Himmel gefallen?

Seit der Sekundarstufe 1 (also der 5ten Klasse), werden wir von Lehrern und Lehrerinnen unterrichtet, die sich auf einzelne Fächer spezialisiert haben. Das gehört zum Konzept (vgl. dem Standard ISCED – International Standard Classification of Education: Level 2)

Und das hat Vor- und Nachteile. Ein großer Vorteil ist, dass wir von den Spezialisten in die Tiefen des Wissensgebietes geführt werden, Fragen stellen können und fachlich gute Antworten erhalten.

Der Nachteil wird klar, wenn ich mir vorstelle, meinen Biologielehrer zu fragen, was denn zur Zeit von Darwin in der europäischen Architektur passiert ist, was in der Kunst passierte, welche Philosophen gerade für Aufsehen sorgten und welche Kompositionen in der Musik berühmt waren.

Was fehlt ist der Kontext, der Zusammenhang. Warum hat Darwin die Evolutionstheorie “erfunden”? Darwin, ein einsamer Intellektueller, der eine feine Idee hatte – zufällig?

Fehlende Zusammenhänge machen Spezialwissen schwer verdaulich, schwer erklärlich.

Als Lernender oder Lernende ist es vorteilhaft, Informationen in einen größeren Zusammenhang zu stellen – sie dort zu betrachten – sie aus dem isolierten Wissensgebiet herauszuholen und mit anderen Ereignissen zu verbinden.

Ein hervorragendes Instrument dafür ist der Zeitstrahl. Hier werden Personen, Begriffe, Themen und Ereignisse einfach auf der Zeitachse platziert und sie geben einen Sinn. Der Zeitstrahl ist besonders hilfreich, wenn mir die dort angezeigten Informationen aus den verschiedenen Wissensgebieten bekannt sind. Das heißt, wenn die Einträge auf dem Zeitstrahl mein Wissen darstellen.

Wenn ich studiere bin ich dabei ein umfangreiches Wissen aufzubauen. Lesen, zuhören, pauken, auswendig lernen, … – gehört dazu, spannend und aufregend wird es jedoch, wenn ich beginne die Zusammenhänge zu verstehen.

Der Zeitstrahl trainiert meine Auffassungsgabe und ich werde zusehens schneller. Lese ich jetzt einen neuen, mir noch unbekannten Autoren, dann trage ich ihn in meinen Zeitstrahl ein und sehr schnell erkenne ich, in welchem geistigen, künstlerischen, gesellschaftlichen Umfeld diese Person lebte und arbeitete.